Nachdem Revolut den Bankensektor umgekrempelt hat, nimmt es nun den Telekommunikationsmarkt ins Visier. Seit dem 16. Dezember 2025 bietet die Fintech ihre ersten Mobilfunktarife im Vereinigten Königreich und in Polen an. Aber ist sie bereit, diesen Markt genauso zu erschüttern, wie sie es mit der Bank getan hat?
Zusammenfassung in 3 Punkten
Revolut hat für Aufsehen gesorgt, indem es seine Mobilfunktarife im Vereinigten Königreich und in Polen, zwei Märkten mit hohen Tarifkosten, eingeführt hat. Durch die Zusammenarbeit mit Gigs, einem virtuellen Betreiber, der die Infrastruktur anderer Betreiber nutzt, bietet Revolut umfassende Dienstleistungen an. Diese Tarife beinhalten nicht nur den Internetzugang, sondern auch Anrufe und SMS, was eine Nummernportabilität ermöglicht. Dieses Angebot geht weit über die üblichen Reise-eSIMs hinaus, die sich oft auf den Internetzugang beschränken.
Der Revolut-Tarif wird für 14,99 Pfund pro Monat angeboten, mit einem Einführungspreis von 12,50 Pfund für die ersten Abonnenten. Umgerechnet entspricht dies etwa 17 bzw. 14 Euro. Diese aggressive Preisgestaltung könnte andere Anbieter dazu veranlassen, ihre eigenen Tarife zu überdenken, insbesondere in Ländern wie Belgien oder der Schweiz, wo Tarife in der Regel teuer sind.
Darüber hinaus hat Revolut ein originelles Zahlungssystem für sein Mobilfunkangebot integriert: Abonnenten können ihre RevPoints, die sie bei Einkäufen mit Revolut sammeln, zur Bezahlung ihres Tarifs verwenden. Diese finanzielle Flexibilität könnte große Ausgabenfreudige ansprechen und das Angebot noch attraktiver machen.
In Frankreich ist die Situation anders. Seit dem Eintritt von Free Mobile im Jahr 2012 sind die Tarife erheblich gesunken. Angebote unter 10 Euro pro Monat sind zur Norm geworden, was den Markt sehr wettbewerbsfähig macht. Darüber hinaus profitieren französische Tarife bereits von großzügigen Optionen, insbesondere im 5G-Bereich, was den Eintritt von Revolut in diesen Markt erschweren könnte.
Zum Beispiel bietet Sosh einen Tarif für 15,99 Euro pro Monat mit 200 GB Daten in über 100 Zielen an, ein schwer zu schlagender Vorteil. Außerdem muss sich Revolut auf das Netzwerk anderer Betreiber stützen und könnte durch bestimmte Technologien wie unabhängiges 5G oder Wi-Fi-Anrufe eingeschränkt sein.
Revolut wurde 2015 von Nikolay Storonsky und Vlad Yatsenko mit dem Ziel gegründet, Bankdienstleistungen zu vereinfachen. Ursprünglich wurden Lösungen für den Währungsumtausch und gebührenfreie Zahlungen im Ausland angeboten, doch die Fintech hat ihr Dienstleistungsangebot schnell auf Bankkonten, Kredite und Investitionen ausgeweitet. Dank einer Strategie ständiger Innovation und aggressiver Preisgestaltung konnte Revolut mehr als 18 Millionen Nutzer weltweit anziehen.
Mit ihrem Vorstoß in den Telekommunikationssektor versucht Revolut, ihren Bankenerfolg zu wiederholen, indem sie einfache, erschwingliche und innovative Lösungen anbietet. Die Erweiterung ihrer Dienstleistungen auf bereits reife Märkte wie Frankreich könnte jedoch eine große Herausforderung darstellen, die eine strategische Anpassung erfordert, um sich gegen eine gut etablierte Konkurrenz durchzusetzen.